Andachten

Andacht

Andacht 21. November 2022

21. November 2022 | Ingrid Naumann

Andacht 21. November 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Woher wollt ihr wissen, was morgen sein wird? Euer Leben gleicht doch dem Nebel am Morgen – schon nach kurzer Zeit ist er wieder verschwunden.

Gerade habe ich einen meiner drei Brüder wieder einmal besucht. Er ist im Pflegeheim und es schmerzt, dass jeder Besuch bei ihm daran erinnert, dass das Leben endlich ist. Was ist das Leben: Mühe und Arbeit? Freudige Augenblicke, Glück, leidvolle Erfahrungen? Streben nach Mehrwert, kämpfen um Anerkennung, Liebe und Zuwendung? Jakobus beschreibt treffend, das Leben gleiche dem Nebel am Morgen, der nach kurzer Zeit verschwunden ist. Alles, was in mühevoller Arbeit errungen wurde, ist auf dem Krankenbett dahin. Es ist einfach nicht mehr notwendig. Letztendlich bleiben einem nur noch die Erinnerungen, und manchmal verschwinden auch diese. Wie gut ist es doch, wenn wir auf gewisse Weise vorgesorgt haben. Wenn wir Beziehungen gebaut haben mit Menschen, die da sind in diesen Augenblicken des Abschiednehmens. Für die Verwandten und Freunde, die zurückbleiben, ist es oft schwierig, mit dem unvermeidlichen Loslassen klarzukommen. Auch das Wissen, dass alles endlich ist, muss nicht immer hilfreich sein. Aber dass wir mit unserem Herrn Jesus Christus eine hoffnungsvolle Verbindung eingegangen sind, kann uns Freiheit und Trost schenken. Wenn ich bei meinem Bruder bin, dann freue ich mich, wenn er mich noch erkennt. Aber ansonsten ist er in seiner eigenen Welt, die nur in wenigen Augenblicken noch an gemeinsam Erlebtes erinnert. Er sagt, es gehe ihm gut, er habe keine Schmerzen. Ist es die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die ihn das vergessen lässt, was einmal so wichtig war in seinem Leben? Wir haben gelernt, ihn mit neuen Augen zu sehen und zu lieben. Er ist so sanft und liebenswert und vielleicht jetzt der Mensch, den Gott in ihm immer gesehen hat. Es ist so ein Wunder, wenn sich der menschliche Geist mit dem göttlichen verbindet. Ich danke Gott für die Hoffnung, die er schenkt, und freue mich auf ein echtes Wiedersehen.

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