Andachten

Andacht

Andacht 20. November 2022

20. November 2022 | Heidemarie Klingeberg

Andacht 20. November 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.

Mehrere Organisationen haben am 20. November 2019 zur abendlichen Gedenkveranstaltung eingeladen. Kerzen werden ausgeteilt. Nach Gebet und Andacht vor der St.-Georgs-Kirche folgt ein Schweigemarsch zum ehemaligen Deportationsort der Münchner Juden im Stadtteil Milbertshofen. Junge Menschen gehen voraus. Sie tragen Schilder mit all den schrecklichen Namen: DACHAU – AUSCHWITZ – BERGEN-BELSEN – FLOSSENBÜRG – MAJDANEK – MAUTHAUSEN – NEUENGAMME – RAVENSBRÜCK. Es ist unsagbar traurig und berührend. Vor 80 Jahren, am 20. November 1941, hat der erste Deportationszug mit 999 jüdischen Mitbürgern München verlassen. Im Melderegister der Stadt stand der lapidare Eintrag: „nach unbekannt abgewandert“. Im litauischen Kaunas ist auf einer Inschrift der Stadt München (Text von Beate Passow) zu lesen: „In Trauer und Scham – und entsetzt über das Schweigen der Mitwissenden – gedenkt die Landeshauptstadt München der 1000 jüdischen Männer und Frauen, die am 20. November 1941 von München nach Kowno deportiert und fünf Tage später an diesem Ort brutal ermordet wurden. Darunter waren auch 94 Kinder.“ Der Demonstrationszug hat sein Ziel erreicht. Eine beleuchtete Rednertribüne ist aufgebaut. Neben mir steht Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Als sie die Bühne betritt, kann sie lange nicht sprechen. Ihre Großeltern sind von diesem Ort in den Tod gegangen. Wie viele Tausende in unserem Land haben aktiv gemordet, gequält oder sich passiv verhalten, zugesehen, weggesehen, geschwiegen, sodass es möglich war, Millionen Menschen umzubringen? Wo waren die Christen? Wo sind wir Christen heute? „Es darf in unserem christlichen Leben keinen Platz für Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Menschenfeindlichkeit geben“, heißt es in der offiziellen Erklärung „Eine bleibende Verpflichtung“ der Siebenten-Tags-Adventisten zum 27. Januar 2020. Tu deinen Mund auf für die Stummen und setz deine Beine in Bewegung gegen Unrecht und Ausgrenzung, für Respekt und Menschenwürde!

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