Andachten

Andacht

Andacht 22. September 2022

22. September 2022 | Friedhelm Klingeberg

Andacht 22. September 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen. Da trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte.

Dass Politik ein schmutziges Geschäft ist, mag ein Klischee sein, aber es hat einen wahren Kern. Wer „ganz oben mitspielen“ möchte, der muss mit allen Wassern gewaschen sein. Etwa 600 Jahre vor Christus war das ganz sicher nicht anders. Wenn damals die Machthaber wechselten, mussten meist Köpfe rollen, denn kein machtbewusster Potentat wäre auf die Idee gekommen, das Spitzenpersonal seines Vorgängers zu übernehmen. Eben darum fasziniert mich die einzigartige politische Karriere dieses Daniels immer wieder neu. Offensichtlich gehörte er schon als junger Mann zur Elite des Gottesvolkes, denn der Weg in die babylonische Gefangenschaft führte ihn nicht ins Elend eines erzwungenen Exils, sondern sozusagen direkt an die Seite Nebukadnezars, des mächtigsten Mannes der damaligen Welt. Als dessen Herrschaft endet und die scheinbar unbegrenzte Macht Babylons schließlich von den Medern und Persern gebrochen wird, geschieht das geradezu Unfassbare: Darius, der neue Mann an der Spitze, übergeht seine eigenen Leute und macht den Juden Daniel zu einem der mächtigsten Männer der damaligen Welt. Das konnte nicht gut gehen, denn Neider und Intriganten gab es mehr als genug. Und wer eine solche Karriere hinlegte, der musste einfach jede Menge Leichen im Keller haben. Sicher haben sie auch in diesem Fall alle Register gezogen – und nichts gefunden, „denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte“. Ich will ganz ehrlich sein: Hätten sie bei mir gesucht, sie wären ganz sicher fündig geworden. Auch eine politische Karriere werde ich gewiss nicht mehr machen. Aber dass es mir mit Gottes Hilfe gelingt, heute wenigstens ansatzweise dem Vorbild der Treue und Verlässlichkeit Daniels zu folgen, das wünsche ich mir.

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