Andachten

Andacht

Andacht 23. Juni 2022

23. Juni 2022 | Thomas Lobitz

Andacht 23. Juni 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt.

Stefan P. vollbrachte eine unglaubliche Willensleistung: Der Teilnehmer in der Diätshow „The Biggest Loser“ (2015) konnte sein Körpergewicht innerhalb von neun Wochen von 143 kg auf 77,7 kg verringern. Dafür wurde er zum Sieger der Show gekürt und gewann 50.000 Euro. Das Geld konnte er sicher gut gebrauchen, denn Stefan P. war arbeitslos und lebte von Hartz IV. Auch seine Frau kehrte zu ihm zurück. Man sollte meinen, dass sich sein Leben zum Positiven gewendet hätte. Leider geschah das Gegenteil. Stefan P. verschwieg dem Amt seinen Geldgewinn, wurde 2019 wegen Betrugs angeklagt und musste über 20.000 Euro an unrechtmäßig bezogener Hartz-IV-Unterstützung zurückzahlen. Inzwischen wog er wieder fast so viel wie in alten Zeiten und seine Frau hatte ihn endgültig verlassen. Als ich diese Nachricht las, kam mir unser heutiger Bibeltext in den Sinn. Darin werden die Tugenden Geduld und Selbstbeherrschung gelobt. Einmalige Kraftanstrengungen erreichen viel weniger als beharrliches Dranbleiben. Und tatsächlich ist es mir schon ähnlich ergangen: Mit einer besonderen Energieleistung konnte ich einen hohen Berg besteigen, viel Stoff für eine schwierige Prüfung pauken oder meine Herzensdame für mich gewinnen. Doch die eigentliche Herausforderung beginnt erst danach: Wie schaffe ich es, die neu gewonnene Kondition aufrechtzuerhalten, das erworbene Wissen über die Prüfung hinaus anzuwenden und meinen Teil dazu beizutragen, dass die Liebesbeziehung lebendig bleibt? In Galater 5,22 werden Geduld und Selbstbeherrschung als Teil der „Frucht des Heiligen Geistes“ genannt. Sie müssen also wachsen, und das geschieht durch die Verbindung des Gläubigen mit Jesus, der einmal zu seinen Jüngern sagte: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5) Dies gilt vor allem für das Wachstum im Glauben und in der Liebe. Denn auch dort kommt es weniger auf einzelne Großtaten an als vielmehr auf den täglichen Umgang mit anderen Menschen, denen wir durch unser Leben die Liebe Gottes bezeugen.

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