Andachten

Andacht

Andacht 21. Juni 2022

21. Juni 2022 | Marcus Jelinek

Andacht 21. Juni 2022

Bildnachweis: cw-design / photocase.de

Und Jesus erzählte ihnen auch folgendes Gleichnis: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn sagte zu seinem Vater: ‚Ich möchte mein Erbteil von deinem Besitz schon jetzt haben.‘ Da erklärte der Vater sich bereit, seinen Besitz zwischen seinen Söhnen aufzuteilen.“

So beginnt die wohl bekannteste Geschichte, die Jesus erzählte: „Der verlorene Sohn“. Doch Jesus gibt dem Gleichnis gar keinen Titel, er erzählt einfach. Wenn wir aufmerksam bis zum Schluss lesen, könnte die Überschrift auch lauten: „Die verlorenen Söhne“ – denn beide jungen Männer fordern den Vater heraus und entfernen sich von ihm. Wenn wir schließlich den Vater in den Mittelpunkt des Geschehens rücken, dann ist wohl „Die Liebe des Vaters“ ein treffender Titel. Denn die Liebe des Vaters wird nicht erst am Ende deutlich, als er den weggelaufenen Sohn wieder aufnimmt. Bereits am Anfang zeigt sie sich: Er lässt den Sohn gehen. Er teilt das Erbe. Er findet sich damit ab, für tot erklärt zu werden. Er springt über seinen eigenen Schatten und lässt den Sohn ziehen. Er lässt los – obwohl die Zukunft ungewiss ist. Eltern, die erwachsene Kinder haben, können wahrscheinlich gut mitfühlen. Einige tun sich leicht damit. Anderen graut es davor. Der Vater in der Geschichte lässt los. Und Jesus zeigt mit diesem Gleichnis: Die Liebe Gottes engt nicht ein. Sie gewährt uns Freiheit. Gott traut uns etwas zu. Er hat uns zu seinem Bild geschaffen. Wir dürfen unser Leben in die Hand nehmen. Gott hält uns nicht an der kurzen Leine. Wir sollen unser Leben gestalten. Gott glaubt an uns. Und selbst wenn es schiefgeht, wartet Gott auf uns – das ist die Pointe am Ende der Geschichte. Gott hat Geduld und sehnt sich nach uns. Immer wieder beschreibt die Bibel das Verlorengehen des Menschen, die Suche Gottes und das Gefundenwerden. Als sich der verlorene Sohn auf den Weg nach Hause macht, formuliert Jesus es so: „Er war noch weit entfernt, als sein Vater ihn kommen sah. Voller Liebe und Mitleid lief er seinem Sohn entgegen, schloss ihn in die Arme und küsste ihn.“ (Lk 15,20 NLB)

Zurück