Andachten

Andacht

Andacht 03.04.2021

03. April 2021 | Hartwig Lüpke

Andacht 03.04.2021

Bildnachweis: Monika Breiholz

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir
gerettet werden, ist es eine Gotteskraft.

Im Mittelalter schuf ein Baumeister das Portal für eine Dorfkirche, welches die Kreuzigungsszene zeigte. Im Mittelpunkt stand das Kreuz, umgeben von den biblischen Gestalten der Geschichte. Die Blicke dieser Menschen richteten sich auf dieses Kreuz. Dann kam der Erste Weltkrieg und ein Granatsplitter riss das Kreuz mit dem Gekreuzigten aus der Menschengruppe he-raus. Übrig blieb ein schauriger Anblick: Da standen all die Menschen und starrten auf das Loch, die Leere, die das Kreuz hinterlassen hatte. Als Jesus gekreuzigt wurde, verhöhnten ihn die Spötter: Steig doch herab vom Kreuz, dann werden wir an dich glauben (Mt 27,42). Wollten sie wirklich sehen, welche Macht Jesus hat, und einen Wundertäter erleben, der mit seinem Können alle anderen in den Schatten stellte? Oder hatten sie einfach nur Spaß an ihrem Spott? Auch heute gibt es viele Leute, die fordern: Steig herab vom Kreuz! Sie meinen vermutlich damit: Begnüge dich mit einem ethischen Anspruch, mit mora-lischen Appellen. Tröste die Traurigen und schenke ihnen ein Gefühl von Geborgenheit. Das Kreuz brauchen wir nicht. Aber was wäre gewesen, wenn Jesus das Kreuz verlassen hätte? Vielleicht hätte man ihm einige Tage zugejubelt und Beifall geklatscht. Der Mörder aber hätte sein Gebet um Aufnahme in Gottes Reich nicht beten können, und noch heute ginge unser Blick ins Leere, in die Trostlosigkeit. Wir könnten nur noch uns gegenseitig und uns selbst sehen. Das ist zwar auch wichtig, aber auf Dauer viel zu wenig. Gäbe es keinen Jesus, der uns unsere Sünden vergeben, uns erlösen und aus dem Tod ins ewige Leben bringen würde, so bliebe am Ende nur ein Loch – hoffnungsloses Sterben. Aber er ist nicht herabgestiegen, wodurch der Tod seine Macht und Endgültigkeit verloren hat. Das Leben ist sinn- und hoffnungsvoll geworden. Vergebung wird zur glücklichen Wirklichkeit. Das Heilwerden des inneren Menschen erleben wir wie eine Anzahlung auf die Ewigkeit. Wir sind getragen von Gottes Kraft.

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