Andachten

Andacht

Andacht 22.11.2020

22. November 2020 | Klaus Kästner

Andacht 22.11.2020

Bildnachweis: Rike. / photocase.de

Auch vor Fürsten und Könige wird man euch führen um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.

Juliane von Krüdener (1764–1824) ist kaum bekannt. Doch die deutsche Baronin aus dem Baltikum hat es verdient, dass man sich ihrer auch nach 200 Jahren noch erinnert. In einer Zeit, da in allen Lebensbereichen uneingeschränkt die Männer herrschten, wagte sie es als Frau, im Blickfeld der Öffentlichkeit freimütig das Evangelium zu verkünden. Sie rief Menschen aller Stände auf, ihr Leben ihrem Erlöser zu übergeben. Der christliche Glaube war ihr von Kindesbeinen an vertraut, denn religiös zu sein gehörte zum guten Ton. Doch zu einer Sache des Herzens wurde ihr der Glaube erst im Jahr 1805 durch die Begegnung mit einem Schuhmacher, der in Riga der Herrnhuter Brüdergemeine angehörte. Sein schlichtes Zeugnis vom Glück einer lebendigen Beziehung zum Heiland Jesus Christus bewirkte die entscheidende Wende im Leben der adligen Frau.
Die erste große Bewährungsprobe in dieser Epoche der verheerenden napoleonischen Kriege erlebte die Baronin in Königsberg. Nach der Schlacht bei Preußisch Eylau im Februar 1807 mussten die Kirchen in Lazarette umfunktioniert werden, um 17.000 Verwundete aufnehmen zu können. Juliane von Krüdener wollte angesichts der furchtbaren Not nicht abseitsstehen. Hingebungsvoll widmete auch sie sich der Pflege der verwundeten Männer. Der selbstlose Einsatz dieser Frau wurde weithin bekannt. Man wunderte sich darüber, dass die vormals gefeierte Romanautorin und Heldin der Salons und Bälle nun Verwundete und Sterbende pflegte. Im Einsatz für Notleidende und Bedürftige in Verbindung mit einer aufrüttelnden Predigt des Evangeliums erkannte sie ihre Berufung.
Dabei hatte sie keine Hemmungen, auch an die Gewissen und Herzen der Mächtigen und Vornehmen ihrer Zeit zu appellieren. Ihr prominentester Gesprächspartner und enger Vertrauter war der russische Zar Alexander I. Auch die preußische Königin Luise schätzte ihren geistlichen Rat. Ihren Dienst beschrieb sie so: „Durch das schwache Weib soll Christus verherrlicht und das große Gebot der Liebe recht anschaulich gemacht werden. Ich selbst bin und vermag nichts. Christus ist und wirkt alles in mir.“

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