Berlin Wilmersdorf

Umfassende Infos

Grundsanierung:

Das zwischen 1925 und 1926 in Berlin Wilmersdorf errichtete Adventhaus, dass 1973-1976 grundsaniert worden ist, wird altersbedingt und auf der Basis von Nachhaltigkeit, Denkmalschutz, Barrierefreiheit und neuem Raumkonzept grundlegend saniert und umgebaut.  

Historie:

Das Gemeindehaus in Berlin Wilmersdorf wurde durch den Architekten Carl Jakob entworfen und in den Jahren 1925-1926 errichtet, mit dem Ziel, ein repräsentatives Versammlungshaus für größere Veranstaltungen nutzen zu können. Gleichzeitig beherbergte das Gebäude zu dieser Zeit eine Krankenschwesternstation und eine Fürsorgestelle des Advent-Wohlfahrtswerkes. Die Kriegszeit bestand das Gebäude unbeschadet und diente als Lagerraum für ausgebombte Personen. Nachdem sich in der Nachkriegszeit die Verhältnisse wieder normalisierten, wurde es wieder seinem ursprünglichen Zweck als Kirchengebäude zugeführt. Es wurde zudem Verwaltungssitz der STA in Berlin (ab 2007 auch Sitz der Berlin-Mitteldeutschen Vereinigung) und Zentrum für kirchliche Aktivitäten aller Art und beherbergt in den oberen Etagen auch Wohnungen. In den Jahren 1973 - 1976 wurde es einer Grundsanierung unterzogen, dessen damals hergestellter Zustand bis 2021 so geblieben ist.  

Zustand vor der Grundsanierung ab 2021 – Gründe für die Sanierung:

1) Denkmalschutz:


Das Haus ist innen wie außen denkmalgeschützt. Der Umbau der 70er Jahre hat leider viel der ursprünglichen Atmosphäre zerstört, was aus heutiger Sicht einen Fehler darstellt. Daher besteht Bedarf, eine gewissen „Originalzustand“ wiederherzustellen.

2) Nachhaltigkeit / Energieeffizienz:


Aus energetischer Sicht ist das Gebäude nicht nachhaltig. Hier bestand dringender Handlungsbedarf, einen an die heutige Situation angepassten Zustand zu erreichen, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten und auch der Verantwortung für Klima und Kosten nachzukommen.

3) Alter:


Altersbedingt ist vieles zu überarbeiten. Haustechnik, Heizung und Sanitärbereiche sind hier nur beispielhaft zu nennen.

4) Barrierefreiheit:


Das Gebäude verfügt im Vorderhaus über sechs und im Saalbereich über drei Ebenen. Barrierefreiheit ist nicht gegeben, da alle Bereiche – selbst das Erdgeschoss nur über Treppen zu erreichen sind. Zwar wurde durch den Einbau eines Treppenliftes vom Erdgeschoss in die Saalebene versucht, etwas Abhilfe zu schaffen, was aber nicht ausreichend ist.

5) Raumnutzung:


Eine vielfältige Raumnutzung ist nicht möglich, da die einzelnen Räume entweder zu klein oder viel zu groß sind und letztlich auch zu wenig Räume zur Verfügung stehen. Dies betrifft auch den Keller, welcher nur ein Teilkeller im Vorderbereich des Hauses ist.

Entwicklung- und Umsetzungsplanung

Nach den ersten Ideen, den Standort Berlin-Wilmersdorf zu einem modernen Gemeindezentrum umzubauen, entwickelte sich die Vorstellung, die drei Ebenen des kirchlichen Bereichs (Erdgeschoss, Saal und Empore) baulich komplett voneinander zu trennen, um für drei Kirchengemeinden jeweils Räumlichkeiten für ihr gesamtes Kirchliches Leben zu schaffen.
Folgende grundlegenden Anforderungen kristallisierten sich bei der Projektplanung heraus:
1. Parallele Nutzung durch mehrere Kirchengemeinden.
2. Multifunktionalität der Räume – in kleinen wie auch größeren Einheiten.
3. Erhaltung der Möglichkeit für Großveranstaltungen.
4. Barrierefreiheit / Behindertengerechtigkeit.
5. Energetische Nachhaltigkeit.
6. Flexibilität für verschiedenste Veranstaltungen neben Gottesdiensten, zum Beispiel Sitzungen, Seminare, Kochkurse, Kinderprogramme, Konzerte / Probenmöglichkeit
7. Möglichkeit der Fremdvermietung außerhalb der kirchlichen Nutzungszeit.
8. Berücksichtigung von Denkmalschutzbelangen.

Vision eines zukünftigen Gemeindezentrums

1) Multifunktionale Ausrichtung


Normalerweise sind Kirchengebäude fokussiert auf einen bestimmten Bereich: Den Gottesdienst. Dafür wird ein spezieller Raum geschaffen und „drumherum“ werden nur die notwendigsten Nebenräume erstellt.
In dieser Art und Weise wurde das Gebäude in Berlin-Wilmersdorf in den 20-er und dann bei dem Umbau in den 70-er Jahren auch konzipiert. Für den reinen „Gottesdienstbetrieb“ wurde damals ein großer Saal mit Empore geschaffen, der mit zu 1200 Sitzplätzen bestuhlt war. Zusätzlich gab es - bis auf sehr kleine Zubehörräume - nur einen in zwei Bereiche teilbaren kleinen Saal, welcher ca. 150 Personen fasste. Die weiteren Räume, welche ursprünglich die schon erwähnte Krankenschwesterstation oder Fürsorgestelle beherbergten, standen und stehen der Gemeinde nicht zur Verfügung, da sie für eine Büro- bzw. Wohnnutzung benötigt werden.
Bei dem aktuellen Umbau bedeutet eine multifunktionale Ausrichtung hier nun, die vorhandenen Gottesdienst- und Nebenräume so umzugestalten, dass parallele Veranstaltungen in unterschiedlicher Größe und Art stattfinden können. Es gilt daher, geschickt, mobile Wände zu installieren, um eine Aufteilung zu ermöglichen. Damit einhergehend ist neben einer akustischen Ertüchtigung auch die entsprechende Trennung der Elektro- und Heizungstechnik und die damit verbundene Steuerungsmöglichkeit notwendig.
Betroffen davon ist auch die Raumausstattung. Sie muss flexibel sein und auch eine gewisse „Neutralität“ darstellen. Das bedeutet, sie darf nicht nur auf eine Zielgruppe, wie z.B. Kinderbetreuung ausgerichtet sein, sondern muss in diesem Beispielfall auch die Nutzung durch Erwachsene zulassen. Das hat entsprechend Folgen für die Möblierung. Des Weiteren betrifft diese Ausrichtung auch die Sakralarchitektur. Einerseits muss die kirchliche Grundausrichtung erkennbar sein und bleiben, andererseits aber auch eine nicht-sakrale Nutzung ermöglicht werden. Beispielsweise wäre hier die Gestaltung des Taufbeckens, des Podiums und/oder Rednerpultes zu nennen.
Der Einbau und der Einsatz neuester bzw. zukunftsweisender Technik ist zudem eine Grundvoraussetzung. Dazu gehören Internetanbindung in allen Räumen, Audio- und Videotechnik sowie auch z.B. die Übertragung von Veranstaltungen nach Außerhalb (Streamingmöglichkeiten) wie auch in gebäudeeigene Nebenräume.
Im speziellen Fall des Gemeindehauses in Berlin Wilmersdorf kommt hinzu, dass es sich um eine Innenstadtlage mit dreiseitiger Grenzbebauung handelt. Um hier die Möglichkeiten zu erweitern und auch Freiflächen mit einem gewissen Erholungscharakter zu schaffen, wurde das flache Kirchendach in die Planung miteinbezogen. Es wird eine Dachterrasse mit einer Möglichkeit der Teilbegrünung geschaffen, die auch durch den Aufzug erreichbar ist.
Insgesamt schafft diese Raumflexibilität damit die Möglichkeit, der parallelen Teilvermietung und Nutzung kleinerer Einheiten.

2) Mehrfachnutzung durch mehrere Gemeinden


Durch die Schaffung einzeln abtrennbarer Räume in unterschiedlichster Größe und der akustischen Trennung wird die parallele Nutzung durch drei verschiedene Kirchengemeinden möglich.
Aufgrund der unterschiedlichen Saalgrößen auf den drei Ebenen können unterschiedlich große Kirchengemeinden (60/80/120 Personen) hier eine Heimat finden. Jeder Kirchengemeinde stehen zudem die notwendigen Nebenräume für ihre Aktivitäten zur Verfügung, wie z.B. Küchenmöglichkeit oder Kinderbetreuung.
Damit wird dem Bedürfnis Rechnung getragen, dass Gottesdienste und kirchliches Leben nicht nur die normale Gottesdienstzeit umfassen, sondern von vielfältigen sozialen Begegnungen vor und nach dem Gottesdienst leben. Ermöglicht werden somit Veranstaltungen von und für Kleinstgruppen bis hin zu kirchlichen Großveranstaltungen.
Gleichzeitig wird durch diese Mehrfachnutzung die Auslastung des Gebäudes erhöht und die einzelne Gemeinde entlastet, denn die anfallenden Kosten werden durch alle Nutzer gerechter geteilt. Zusätzlich entstehen neue Begegnungsmöglichkeiten untereinander und es kann eine neuartige Vernetzung der Gemeinden geschehen.

3) Coworking-Space


Die Nutzung von Kirchengebäuden durch die Ortsgemeinde findet normalerweise nicht an allen Tagen der Woche und rund um die Uhr statt. Stattdessen gibt es Tage und Zeiten, die hochfrequentiert sind und Tage, an denen das Gebäude nicht genutzt wird. Um hier eine gewisse „Dauernutzung“ zu erreichen, wird angestrebt, einen CoWorking-Space zu schaffen.

Quelle:

gekürzter Auszug aus der Projektarbeit von Thilo Foth zum Thema „Entwicklung nachhaltiger, lebensfähiger und -fördernder Kirchengemeinden der Freikirche der STA am Beispiel des Umbaus und der Neuausrichtung des Standortes Berlin-Wilmersdorf“ (April 2021)