Richard Kindler zählte für mich zu den herausragenden christlichen Persönlichkeiten, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Er hatte zwar als junger Mann sein Augenlicht verloren, doch er war ein Sehender geblieben. Fortan „sah“ er mit seinen Händen, mit seinen Ohren, vor allen Dingen aber mit seinem Herzen.
1923 wurde er bei Lauban (Schlesien) geboren. Was zeichnete ihn besonders aus? Richard Kindler war durchdrungen von einer großen Liebe zu Jesus und zu seinen Mitmenschen. Nach dem Krieg besuchte der bereits verheiratete Mann die Blindenschule in Chemnitz, um sich als Blinden-Stenotypist ausbilden zu lassen. Anschließend stellte ihn in Weißwasser eine große Glasfirma ein, ohne ihn wirklich zu beschäftigen. Fast ein Jahr lang traute man dem Blinden nicht zu, der Firma nützlich zu sein. In einem kahlen Zimmer nutzte er diese „Auszeit“ für Gebet und Bibelstudium. Eines Tages entdeckte ein Vorgesetzter seine großen Fähigkeiten und das Blatt wendete sich. Als er nach 40 Jahren die Firma verließ, hatte er davon viele Jahre im Vorzimmer des Chefs gesessen und anspruchsvolle Arbeiten ausgeführt.
Neben Jesus liebte er seine Familie und seine Gemeinde. Über 30 Jahre leitete er die Gemeinde Weißwasser. Bruder Kindler war ein ausdauernder Beter und verstand sich immer als Diener seiner Schwestern und Brüder. Nie ging er auf Distanz zum Prediger, sondern verstand sich immer als sein Förderer. Viele Jahre gehörte er dem Vereinigungsausschuss an. Stets zeigte er sich für Neues aufgeschlossen.
Er starb am 26. Juli 2009 dicht an der Seite seiner lieben Frau. So haben wir das Ehepaar Richard und Martha Kindler gekannt: Wo er war, da war sie, und wo sie war, da war er.
Wilfried Krause, Pastor


